Lokaler Stromhandel per Blockchain

 

Ein Jahr lang handelten in Walenstadt 37 Haushalte Solarstrom in einem lokalen Strommarkt basierend auf einer Blockchain. Die Beteiligten ziehen aus dem weltweiten Pionierprojekt eine positive Bilanz. Ein Spin-off soll nun die Handelsplattform zu einem marktfähigen Produkt weiter entwickeln.

 

Im Januar 2020 ging die Feldphase im Projekt «Quartierstrom» offiziell zu Ende. Dank des lokalen Strommarkts verkaufte die Gemeinschaft 27 % mehr lokal produzierten Solarstrom vor Ort. Zu 33 % versorgten sich die 37 Haushalte selbst mit Solarstrom, ohne Zutun vom lokalen Energieversorger. Dies entspricht einer Verdoppelung. Der Erfolg war nicht selbstverständlich: «Quartierstrom war weltweit das erste Projekt dieser Art. Wir leisteten an vielen Fronten Pionierarbeit.», erklärt Verena Tiefenbeck, Projektleiterin vom Bits to Energy Lab der ETH Zürich in einer Pressemitteilung.

Während die Blockchain-Software sehr zuverlässig funktionierte, hatte das Projektteam immer mal wieder mit Ausfällen bei der Hardware zu kämpfen. Auch der Stromverbrauch hielt sich in Grenzen. Die kleinen Computer, die als Smart Meter und Blockchain-Knoten dienen, verbrauchten während der gesamten Projektdauer rund 3300 Kilowattstunden Energie. Gemessen am Volumen des im lokalen Markt gehandelten Strom lag deren Verbrauch bei rund 4 %. 

Spin-off gegründet
Der Pilotbetrieb des lokalen Strommarkts im Rahmen des BFE-Leuchtturmprojekts ist nun zu Ende. Die Handelsplattform soll nun zu einem markfähigen Produkt weiterentwickelt werden, so das Ziel des Spin-offs «Exnaton», das Mitglieder des Entwicklungsteams der ETH gegründet haben.

 

Aufbauend auf ihren vielschichtigen Erfahrungen aus dem Quartierstrom-Projekt werden die ehemaligen Doktoranden Liliane Ableitner, Arne Meeuw und Anselma Wörner mit dem Spin-off eine Software-Lösung für Energieversorger anbieten, über die Kunden Strom aus der Nachbarschaft beziehen und ihre Energiedaten verständlich in einer App ablesen können. So soll die breitere Bevölkerung auch dazu motiviert werden, in weitere Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher oder Elektroautos zu investieren. “Wir sprechen vor allem innovative Energieversorger an, die sich frühzeitig den neuen Herausforderungen rund um Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung des Energiemarkts stellen möchten”, sagt Liliane Ableitner.

Im Anschluss an die Pilotphase von Quartierstrom, die im Januar 2020 abgeschlossen wurde, folgt ein Nachfolgeprojekt mit den teilnehmenden Haushalten in Walenstadt, in dem Exnaton seine Technologie neu aufsetzen wird und auf Basis der gesammelten Erfahrungen nun ein skalierbares Produkt entwickelt. Hierfür wird nun die Kompatibilität diverser intelligenter Stromzähler geprüft und zusätzliche Funktionalitäten in der App für die Haushalte getestet.

(Press release / SK)